Pressespiegel

2017:

2015:

Beitrag im Intranet der MC-Bauchemie in MC Intern erschienen:

Endlich „rauchfrei“ – Erster Raucher-Entwöhnungs-Kurs erfolgreich absolviert

Am 15. Oktober 2014 startete der erste Raucher-Entwöhnungs-Kurs bei der MC in Bottrop. Sechs Kollegen, allesamt jahrelange Raucher, nahmen daran teil und absolvierten die acht Sessions à 1,5 Stunden. Durch den Kurs führte der Bottroper Diplom-Psychologe Thomas Dopatka. Mit positiven Ergebnissen: Alle Teilnehmer schafften es, die Finger vom Glimmstängel zu lassen. Weiterlesen >>>>

2014:

2005:

Auf humorvolle und einfühlsame Weise berichtete die Bottroper WAZ -Journalist Marie-Luise Schmand im Rahmen von 8 Artikeln über das (alte) Programm „Rauchfrei in 10 Schritten“.

Am Beispiel zweier KursteilnehmerInnen beschreibt die Autorin die gefühlsmäßigen Höhen und Tiefen, die die meisten TeilnehmerInnen (auch heute noch, in 2021) im Verlaufe des Kurses erleben.
Zwei „Möchtegern-Nichtraucher“ wollen es jetzt endlich wissen

Verhaltenstherapeutisches Training soll
den Verzicht auf Nikotin erleichtern

Es war einmal. Aber Diplom-Psychologe Thomas
Dopatka spürt heute noch den Suchtdruck,
vermisst manchmal das „lustvolle Gefühl
des Inhalierens“. Er kann nachfühlen, was
Nikotinsüchtige empfinden, die sich auf
sein „Rauchfrei Training“ einlassen – mit
gemischten Gefühlen.
Arndt S. und Linda M. spielen nicht mehr
mit dem Gedanken ans Aufhören, sie wollen
es jetzt wissen. Die Startpositionen sind
unterschiedlich: Die 49-jährige Angestellte
erntet einen entrüsteten Blick, als sie
bekennt, dass sie immer noch gern raucht.
Der 26-jährige Krankenpfleger hadert mit
sich selbst, weil er weiß, dass es „Schwachsinn“
ist, aber er kann nicht widerstehen: „Wenn
ich sehe, jemand steckt sich eine Zigarette
an, macht es Klick im Kopf“ – und schwupps,
greift er selbst zur Schachtel. Wider besseres
Wissen, wie natürlich jeder Raucher. Linda
M. setzt nicht nur der Hausarzt zu – die
Kurzatmigkeit, die Haut, die Gesundheit
überhaupt – sie kann auch gut rechnen.
Im Durchschnitt eine Schachtel täglich,
angefangen mit 17 Jahren: „Ich hätte schon
längst bauen können“, stellt sie fest.
Trainer Dopatka bestätigt beim Informationsabend
für den zehnwöchigen Kurs : „Das sind 1500
Euro pro Jahr. Drei Wochen Urlaub auf La
Gomera.“ Was ein Raucher dort ohne Zigaretten
anfangen soll, sagt er nicht. Vielleicht
hat sich der Einwand ja in einem Monat
erübrigt.
Sein Training basiert auf verhaltentherapeutischen
Methoden, der Aufbau von Selbstkontrolle
ist ein zentraler Begriff. Die Hälfte aller
Zigaretten wird gedankenlos weggequalmt,
behauptet Dopatka, und die beiden „Möchtegern-Nichtraucher“
nicken. Linda M. gesteht unumwunden, dass
sie eine „absolute Stressraucherin“ ist.
Am Anfang der Kontrolle steht die Selbstbeobachtung.
Der Griff zur Zigarette wird protokolliert:
Wann, warum, wie oft. „Dieser Kurs ist
ein bisschen was für Erbsenzähler“, räumt
Dopatka ein. Der bürokratische Aufwand
ist erwünscht, denn er verwandelt den automatischen
Griff zum Glimmstängel in einen bewussten
Akt, der innere Ablehnung provozieren soll.
Nach dieser Beobachtungsphase legt jeder
Teilnehmer Reduzierungsschritte fest: Eine
Zigarette weniger pro Tag, vier weniger
in der Woche . . . und nach sechs Wochen
sollte er dann geschrieben sein, der „Brief
an die letzte Zigarette“: Eine Vorstellung,
die einem Nichtraucher kaum zu vermitteln
ist.
Dopatka bietet Unterstützung an. Wett-Kärtchen
und Belohnungen als Ansporn zur Verhaltensänderung,
Entspannungsübungen. Wer nicht raucht,
gewinnt. Aber was? Die Vorteile des Nichtrauchens
müssen schwer wiegen und sehr konkret sein.
Arndt S. und Linda M. kommen ans Nachdenken.
„Der Alltag ist ein Energiefresser“, erklärt
Dopatka. „Wir brauchen einen Ausgleich.“
Einen besseren als Zigaretten, so seine
Botschaft.
Die WAZ wird die angehenden Nichtraucher
in den nächsten Wochen begleiten. Wer sich
dem Kurs anschließen will, meldet sich
bei Thomas Dopatka ( 020417827308).

Vor dem ersten Zug steht das Zigaretten-Zählen

Rauchfrei-Kurs, erste Woche: Noch gilt
eine Gnadenfrist

Jetzt wird es ernst für die beiden Noch-Raucher
Linda M und Arndt S.. In zehn Wochen wollen
sie mit Unterstützung des Psychologen und
Rauchfrei-Trainers Thomas Dopatka gelernt
haben, auf Zigaretten zu verzichten.
Das Programm des Kurses, den der Bottroper
leitet, baut auf verhaltenstherapeutischen
Methoden auf. Die WAZ begleitet Linda und
Arndt auf ihrem Weg in einen nikotinfreien
Lebensabschnitt, der mit dem ersten Treffen
der Gruppe begonnen hat.Beide fühlen sich
dort gut aufgehoben. Alle quält das gleiche
Problem, keiner spottet über die Sucht
des anderen. Zunächst wird den Teilnehmern
kein Verzicht abverlangt. Stattdessen sollen
sie Selbstkontrolle einüben: Jede gerauchte
Zigarette wird notiert. Dazu dient ein
Registrierblock im Mini-Format: „Er passt
exakt in eine Schachtel“, erklärt Arndt.
Soll heißen, er passt unter die hauchdünne
Außenfolie.
Die bürokratische Maßnahme soll den Teilnehmern
verdeutlichen, wieviel sie rauchen. Die
harmlos wirkende Zielsetzung zeigt Wirkung,
und das ist beabsichtigt. Arndt, dem die
Qualmerei zum Hals heraushängt, rauchte
vor Kursbeginn 25 Zigaretten täglich und
ist jetzt bei einem Tagespensum von 15
angekommen. Bis 12.30 Uhr hat er zwei Zigaretten
geraucht, eine davon nach dem Frühstück.
Er wollte sich noch eine zweite anstecken,
griff brav zum Rauchfrei-Registrierblock,
ließ es dann aber bleiben: „Meine Frau
hat sich kaputtgelacht.“ Das penible Zigaretten-Zählen
wirkt in Verbindung mit dem Geschmack von
Freiheit und Abenteuer in den Augen Dritter
etwas lächerlich. Arndt hat damit kein
Problem: „Meine Frau unterstützt mich sehr.“
Der Krankenpfleger hat sich vorgenommen,
in den Rauchpausen im Krankenhaus statt
drei bis vier nur noch zwei bis drei Zigaretten
zu rauchen. Und allen Freunden hat er seine
guten Absichten mitgeteilt: „Ich setze
mich da bewusst dem Druck aus.“
Linda handelt ebenso. Im Gespräch mit
einem anderen Raucher hat sie erfahren,
dass er sich täglich nur noch einmal zu
festgelegter Uhrzeit eine Zigarette gönnt
– und dann 24 Stunden lang den nächsten
Glimmstängel herbeisehnt. Das wäre für
sie keine Lösung.
Linda kommt mit dem kleinen Registrierblock
nicht zurecht und hat ihn durch einen größeren
Zettel ersetzt, der auf ihrer Schachtel
klebt. Die Zähl-Arbeit bleibt gleich –
bis 11.30 Uhr prangten auf ihrem Zettel
fünf Kreuze. „Schwein gehabt“ hat sie gedacht,
als der Psychologe nicht von Stund‘ an
Verzicht verlangte: Gnadenfrist für die
Sucht nach dem blauen Dunst.
Gedankenlose Qualmerei ohne Genuss: Linda
hat sich dabei ertappt, dass sie sich eine
Zigarette ansteckte, obwohl eine andere
bereits brannte. „Das hast du doch eigentlich
nicht nötig“, hat sie entnervt gedacht
und sich entschieden: „Ich nehme die Herausforderung
an.“ mls

Tageskarte erhöht Schreibaufwand

Hürden vor der Zigarette werden höher

Die werdenden Nichtraucher Arndt S. und
Linda M. bleiben bei der Stange. Blauer
Dunst ist nach den Maßgaben des Rauchfrei-Trainingsprogramms
in der zweiten Woche immer noch erlaubt,
aber die bürokratischen Hürden werden höher,
und damit sinkt der Tabakkonsum.
Bisher haben sie ihre tägliche Zigarettenration
auf einem Registrierblock notiert. Arndt
hat seinen Konsum im Sechs-Tages-Durchschnitt
auf 15 Zigaretten gesenkt, Linda erlaubt
sich noch 15 Glimmstängel.
Seit dem letzten Treffen mit dem Psychologen
und Rauchfrei-Trainer Dopatka gesellt sich
zum Registrierblock eine Tageskarte hinzu,
die nun bei jeder Zigarette ausgefüllt
werden will: Wann, warum, in welcher Situation…:
das nervt, erklären die beiden. Das soll
es auch, denn ihnen wird bewusst, wieviel
sie rauchen. „Warum steck‘ ich mir die
jetzt an?“: Arndt sieht sich ständig mit
dieser Frage konfrontiert, aber ebenso
sehr spürt sein Körper noch das Diktat
der Sucht: „Du rauchst jetzt eine, ob du
willst oder nicht.“ Als größten Gewinn
des nichtrauchens betrachtet der 26-Jährige
Krankenpfleger ein bewussteres, gesünderes
Leben und Unabhängigkeit: Arndt will nicht
mehr, dass „die Zigarette mein Leben beherrscht.“
Linda ist ein wenig von sich selbst überrascht,
dass sie ihren täglichen Konsum in kurzer
Zeit auf durchschnittlich unter 20 Zigaretten
drücken konnte. Aber natürlich hat sie
immer noch eine zweite Schachtel in der
Reserve. Sie beginnt, Rauch-Rituale in
Frage zu stellen: morgens beim Make-Up
hat sie sich stets eine Zigarette angesteckt
und ertappt sich jetzt bei der Frage „Muss
das sein?“
Die Angestellte erlebt ihre Umwelt als
verständnisvoll. Bei einem längeren Gespräch
mit rauchenden Kunden hat sie im Nu vier
Zigaretten weggequalmt, aber jede einzelne
brav auf der Tageskarte notiert („es wird
lästig“) und allen erklärt, was die Schreibarbeit
soll: „Es ist schon eine Sensibilisierung.“
Keiner hat sich über sie lustig gemacht.
Die 49-Jährige denkt mittlerweile über
die Frage nach, ob Raucher ein latent schlechtes
Gewissen haben: „Ich denke schon, dass
alle Raucher damit aufhören wollen, dass
das ihr geheimer Wunsch ist.“ mls

Ein grüner Zettel erinnert sie stets an den Kampf

Zigaretten-Konsum
schon gedrosselt
Auf dem Weg zum nikotinfreien Leben hat
Linda M. ihren Zigarettenkonsum auf 14
gedrosselt. „Jetzt tue ich mich richtig
schwer“, gibt sie zu.
Umso wichtiger sind Erfolgserlebnisse:
Die Angestellte war angenehm überrascht,
wie gut sie eine lange Autofahrt ohne Zigarette
überstanden hat. Für diese Situation hat
Rauchfrei-Kursleiter Thomas Dopatka empfohlen,
die Zigaretten im Kofferraum einzuschließen.
„Da würde ich wahnsinnig werden“, erklärt
Linda. Sie hat die Schachtel lieber direkt
vor Augen und führt einen inneren Kampf:
„Nee, du kriegst mich nicht.“
Die 49-Jährige hat sich einen Talisman
ausgesucht, der sie an ihren Vorsatz erinnert:
ein einfacher, grüner Zettel, beidseitig
beschrieben mit dem Namenszug ihres Neffen.
Er hasst das Rauchen und begleitet Lindas
Kampf gegen die Sucht. Der 15-Jährige ist
auch Lindas Wettpartner: 30 Euro winken
ihm, wenn sie einmal schwach wird. „Ich
glaub‘, die 30 Euro werde ich verlieren“,
meint Linda, die sich selbst nichts vormacht.
Aber aufgeben wird sie nicht.
Arndt konnte an seinem freien Tag ganz
diszipliniert mit den Zigaretten umgehen:
Neun Stück sind zurzeit seine Tagesration.
Sein Alltag als Krankenpfleger bildet hingegen
keine entspannte Freizeit-Situation, und
Arndt weiß genau, dass der Verzicht auf
die Zigaretten in den Arbeitspausen eine
Herausforderung darstellen wird, die er
sich bis zur letzten Woche aufhebt. Er
probiert vieles aus als Alternative zur
Zigarette und einen ähnlichen Entspannungswert
haben könnte. Aber nichts Süßes – Arndt
rechnet mit einer Gewichtszunahme, will
dem aber keinen Vorschub leisten.
Ihm fällt auf, dass er seinen Tag neu
ordnen muss, denn er hat für das Rauchen
immer konsequent eine Pause eingelegt.
Nun hat er mehr Zeit. Der 26-Jährige hat
begonnen, Sport zu treiben: „Es tut mir
gut, eine neue Energiequelle zu haben“,
meint er.
Die letzte Zigarette rückt näher, aber
Arndt ist noch nicht bereit. „Im Moment
mag ich noch nicht daran denken“, gesteht
er.
Linda geht es da nicht anders. mls

Nervenflattern und plötzliche Gelassenheit

Beinahe-Nichtraucher
mobilisieren Abwehr
Die „Fast-Schon-Nichraucher“ Arndt und
Linda haben die Rollen getauscht. Bisher
schien der 26-Jährige die allmähliche Reduktion
des Zigarettenkonsums ohne große Mühe zu
meistern, während die 49-Jährige sich schwer
tat. Doch nun, auf dem Niveau von vier
Zigaretten angekommen, flattern bei Arndt
die Nerven: Er fühlt sich aufgedreht und
hat sich aus der Apotheke ein homöopathisches
Präparat besorgt, das beruhigen soll. „Es
spielt sich wirklich was im Körper ab.“
Ablenkung ist die Devise: Arndt treibt
viel Sport, geht mit seiner Freundin abends
öfter aus. „Man soll sich ruhig mal belohnen“,
denn der Verzicht verlangt dem Raucher
viel ab. Auch Arndt greift auf ein probates
Mittel zurück: Was er für Zigaretten ausgab,
will er nun sammeln und „sich nach einem
halben Jahr was Schönes kaufen.“
Linda genießt ihren Urlaub. Ihre Entspanntheit
trotz nur noch fünf Zigaretten täglich
führt sie auch auf den Aha-Effekt zurück,
den das jüngste wöchentliche Treffen mit
der Kursgruppe und dem Rauchfrei-Trainer
ausgelöst hat: Er hielt allen Teilnehmern
eine Schachtel jener Marke hin, die Freiheit
und Abenteuer verspricht, und verband damit
die Frage: Was geht jetzt in euch vor?
Linda ist sich in den
folgenden Minuten selbst auf die Schliche
gekommen und hat begriffen, warum sie raucht.
Die Erkenntnis hat sie tief getroffen,
aber ihre Entschlossenheit verstärkt. „Für
mich war das wirklich wertvoll. So eine
kleine Zigarette beherrscht dich – du machst
dich doch selbst klein“, sagt sie sich
seither selbst.
Vor einigen Tagen hat sie eine Wette gegen
ihren Neffen verloren – acht Zigaretten
waren gestattet, und Linda lag um ein Drittel
Zigarettenlänge über dem Limit. „Das juckt
mich nicht“, sagt sie selbstbewusst im
Licht der neuen Selbsterkenntnis. Gestern
wollte sie ihre letzte Zigarette rauchen:
„Ich freu mich schon. Ich habe keine Angst
mehr“, versicherte die Angestellte.
Man wird sehen. mls

„Ich möchte am liebsten beidhändig rauchen“

Serie: Rauchfrei-Kurs
Sechste Woche
„Ich tu‘ mich so schwer“, gesteht Linda,
ebenso wie Arndt rauchfrei seit einer Woche.
Ihm hingegen geht es „gut, sehr gut“.
Eine Zigarette hat Linda aufbewahrt und
in Cellophan eingepackt. Sie liegt neben
einem kleinen Aschenbecher im Schrank.
Das ist zwar „Selbstquälerei“, erkennt
Linda, aber sie will „ihren Feind vor Augen
haben“.
Die Sucht ist nicht über Nacht zu besiegen.
„Ich möchte am liebsten beidhändig rauchen“,
gesteht die 49-jährige Angestellte unverblümt.
Vor kurzem hätte sie fast aufgegeben: Her
mit der Schachtel! Nacheinander fuhr sie
vier Buden und Tankstellen an. Nirgendwo
war ihre spezielle Zigarettenmarke vorrätig,
und auch unter dem größten Suchtdruck geht
sie nicht fremd. „Ich hab‘ mir gedacht,
das soll so sein.“ Und so brachte sie gottergeben
den Tag ohne Nikotin hinter sich.
„Ich habe immer Hunger“. Linda erkannte
sich selbst nicht wieder, als sie vormittags
in einer Fast-Food-Filiale Hamburger und
Milchshake bestellte. Drei Kilo hat sie
zugenommen, und das ärgert sie – ein Termin
im Fitness-Studio ist schon gebucht.
Eine Gewichtszunahme kann Arndt nicht
feststellen, obwohl auch er sich abends
das Naschen angewöhnt hat. „Das ist der
Ausgleich“, ganz klar. Und Süßes ist manchmal
gut für die Seele. Auch bei ihm sind Phasen
von Nervosität an der Tagesordnung, „das
ist wie Achterbahn-Fahren, mehrmals täglich.“
Der Krankenpfleger hilft sich mit Atem-
und Entspannungstechniken: Hinsetzen, alle
Muskeln des Körpers kurz und intensiv anspannen,
Übung wiederholen. „Dann kommt man über
diese Phasen ganz gut weg.“
Sieben Mal hat er bisher sein Sparschwein
mit vier Euro gefüttert – der Betrag wäre
sonst in blauem Dunst aufgegangen. „Wenn
ich das Geld sehe, habe ich wirklich Spaß.“
– Arndt versucht, den Gedanken an Zigaretten
zu verdrängen. Vor allem am Arbeitsplatz
fehlt ihm die Rauchpause. „Aber meine Kollegen
halten super zu mir.“ mls

Mehr essen, mehr Sport, mehr Qualität im Alltag

WAZ-Serie: Rauchfrei in zehn Wochen
Die siebte Woche ist vorbei.
Arndt S. ist jetzt seit 17 Tagen ohne Zigarette,
Linda seit zehn. Beide nehmen zu, beide
treiben wieder mehr Sport, beide sind zufrieden.
„Ich fühle mich wesentlich wohler“, sagt
Linda. Der morgendliche Husten sei weg.
Sie könne wieder durchatmen, und alles
schmecke ihr besser als früher. Über 30
Jahre hat sie geraucht, im Schnitt 25 am
Tag. In den vergangenen sieben Wochen hat
sie ihren Konsum schrittweise auf Null
abgebaut.
Nur Hunger habe sie, reichlich sogar.
Ständig könne sie etwas essen. Gut, sagt
sie, dass sie den Weg zum Sport gefunden
habe. Im Fitness-Studio hat sie sich angemeldet.
„Ich treibe seit 20 Jahren erstmals wieder
Sport und schlafe wie ein Stein.“
Zum Sport hat auch Arndt gefunden. Er
spielt Fußball, fährt Rad und geht joggen.
„Ich habe meinen ganzen Tagesablauf umgestellt“,
berichtet er. Viel Bewegung, besseres Essen,
sinnvollere Pausen. Langsam lasse auch
das Suchtgefühl nach, das in den ersten
rauchfreien Tagen so viel Nerven gekostet
habe. „Ich merke, wie ich unabhängig werde.“
Unabhängig von der Zigarette zu sein,
das ist eines seiner Ziele. 28 Kippen am
Tag war sein Schnitt seit vielen Jahren.
„Ich spüre, wie mein Geruchs- und Geschmackssinn
sich verändern. Der Körper arbeitet.“ Und
wenn der Zwang doch kommt? „Dazu haben
wir Atem- und Entspannungstechniken gelernt.“
Jeden Tag spart Arndt vier Euro in einer
Dose. Das Fußballspiel Mailand gegen Schalke
will er davon finanzieren. Wie schnell
sich Empfindungen und Einstellungen gegenüber
dem Rauchen ändern, wundert ihn selbst:
Leute rauchend auf der Straße nimmt er
inzwischen als unangenehm wahr. ah

Zigarette bleibt eine Versuchung

Aber alle Kursteilnehmer haben es geschafft
und leben rauchfrei

Sie haben es beide geschafft: Arndt und Linda leben auch Wochen nach dem Abschluss
ihres Rauchfrei-Kurses, den die WAZ begleitet hat, ohne Nikotin. Doch während der 26-jährige
Krankenpfleger das Erfolgserlebnis genießt, fällt der 49-jährigen Angestellten der
Verzicht schwer.
„Mir geht’s super“, stellt Arndt fest. Bewusst sorgt er für Ablenkung, spielt Fußball und hat sein Jogging-Training intensiviert. Auch beruflich ist er zurzeit stark eingespannt. Gut so, meint Arndt: „Schlimm ist es, wenn man allein ist und sich Gedanken macht. Dann kriegt man Schmacht.“
Nichtrauchen zahlt sich aus, gesundheitlich und finanziell. Mit dem gesparten Geld
erfüllt sich Arndt seine Wünsche, und zwar großzügig. Ein Besuch des Musicals „Phantom
der Oper“, ein Trip nach Italien am 6. Dezember, wenn Schalke im Auswärtsspiel gegen Mailand antritt: „Das kommt locker zusammen.“ Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt, als Nichtraucher körperlich leistungsfähiger zu sein. Allerdings hat Arndt vier Kilo zugenommen: „Aber die werden über längere Zeit wieder weggehen“, tröstet er sich.
Vier Kilo mehr bringt auch Linda auf die Waage, seit sie aufgehört hat zu rauchen.
Zum quälenden Nikotin-Entzug hinzu kommt die Sorge um ihre Gesundheit – Linda steht
eine Untersuchung im Krankenhaus bevor, sie fühlt sich doppelt unter Druck gesetzt.
„Ich muss mich stark kontrollieren. Ich könnte nach wie vor sofort zur Zigarette
greifen“, räumt sie ein. Mit der Zeit soll es besser werden, tröstet sie sich. Ihr sind – wie könnte es anders sein – alle guten Argumente gegen das Rauchen geläufig, aber: Mit Zigarette hat ihr das Leben mehr Spaß gemacht.
Wie sie berichtet, haben alle fünf Teilnehmer des Rauchfrei-Kurses ihr Ziel erreicht.
Die Gruppe will sich in losen Abständen weiterhin treffen – man hat sich sehr gut verstanden, gemeinsam gelitten und will Kontakt halten. Die WAZ wird nach einiger Zeit nachfragen, ob die Ex-Raucher ihren guten Vorsätzen treu bleiben konnten.
mls