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"Ich möchte am liebsten beidhändig rauchen"

27.08.2005 / LOKALAUSGABE / BOTTROP

Serie: Rauchfrei-Kurs
Sechste Woche

"Ich tu' mich so schwer", gesteht Linda,
ebenso wie Arndt rauchfrei seit einer Woche.
Ihm hingegen geht es "gut, sehr gut".
Eine Zigarette hat Linda aufbewahrt und
in Cellophan eingepackt. Sie liegt neben
einem kleinen Aschenbecher im Schrank.
Das ist zwar "Selbstquälerei", erkennt
Linda, aber sie will "ihren Feind vor Augen
haben".
Die Sucht ist nicht über Nacht zu besiegen.
"Ich möchte am liebsten beidhändig rauchen",
gesteht die 49-jährige Angestellte unverblümt.
Vor kurzem hätte sie fast aufgegeben: Her
mit der Schachtel! Nacheinander fuhr sie
vier Buden und Tankstellen an. Nirgendwo
war ihre spezielle Zigarettenmarke vorrätig,
und auch unter dem größten Suchtdruck geht
sie nicht fremd. "Ich hab' mir gedacht,
das soll so sein." Und so brachte sie gottergeben
den Tag ohne Nikotin hinter sich.
"Ich habe immer Hunger". Linda erkannte
sich selbst nicht wieder, als sie vormittags
in einer Fast-Food-Filiale Hamburger und
Milchshake bestellte. Drei Kilo hat sie
zugenommen, und das ärgert sie - ein Termin
im Fitness-Studio ist schon gebucht.

Eine Gewichtszunahme kann Arndt nicht
feststellen, obwohl auch er sich abends
das Naschen angewöhnt hat. "Das ist der
Ausgleich", ganz klar. Und Süßes ist manchmal
gut für die Seele. Auch bei ihm sind Phasen
von Nervosität an der Tagesordnung, "das
ist wie Achterbahn-Fahren, mehrmals täglich."
Der Krankenpfleger hilft sich mit Atem-
und Entspannungstechniken: Hinsetzen, alle
Muskeln des Körpers kurz und intensiv anspannen,
Übung wiederholen. "Dann kommt man über
diese Phasen ganz gut weg."
Sieben Mal hat er bisher sein Sparschwein
mit vier Euro gefüttert - der Betrag wäre
sonst in blauem Dunst aufgegangen. "Wenn
ich das Geld sehe, habe ich wirklich Spaß."
- Arndt versucht, den Gedanken an Zigaretten
zu verdrängen. Vor allem am Arbeitsplatz
fehlt ihm die Rauchpause. "Aber meine Kollegen
halten super zu mir." mls


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