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Vor dem ersten Zug steht das Zigaretten-Zählen

19.07.2005 / LOKALAUSGABE / BOTTROP

Rauchfrei-Kurs, erste Woche: Noch gilt
eine Gnadenfrist


Jetzt wird es ernst für die beiden Noch-Raucher
Linda M und Arndt S.. In zehn Wochen wollen
sie mit Unterstützung des Psychologen und
Rauchfrei-Trainers Thomas Dopatka gelernt
haben, auf Zigaretten zu verzichten.

Das Programm des Kurses, den der Bottroper
leitet, baut auf verhaltenstherapeutischen
Methoden auf. Die WAZ begleitet Linda und
Arndt auf ihrem Weg in einen nikotinfreien
Lebensabschnitt, der mit dem ersten Treffen
der Gruppe begonnen hat.Beide fühlen sich
dort gut aufgehoben. Alle quält das gleiche
Problem, keiner spottet über die Sucht
des anderen. Zunächst wird den Teilnehmern
kein Verzicht abverlangt. Stattdessen sollen
sie Selbstkontrolle einüben: Jede gerauchte
Zigarette wird notiert. Dazu dient ein
Registrierblock im Mini-Format: "Er passt
exakt in eine Schachtel", erklärt Arndt.
Soll heißen, er passt unter die hauchdünne
Außenfolie.

Die bürokratische Maßnahme soll den Teilnehmern
verdeutlichen, wieviel sie rauchen. Die
harmlos wirkende Zielsetzung zeigt Wirkung,
und das ist beabsichtigt. Arndt, dem die
Qualmerei zum Hals heraushängt, rauchte
vor Kursbeginn 25 Zigaretten täglich und
ist jetzt bei einem Tagespensum von 15
angekommen. Bis 12.30 Uhr hat er zwei Zigaretten
geraucht, eine davon nach dem Frühstück.
Er wollte sich noch eine zweite anstecken,
griff brav zum Rauchfrei-Registrierblock,
ließ es dann aber bleiben: "Meine Frau
hat sich kaputtgelacht." Das penible Zigaretten-Zählen
wirkt in Verbindung mit dem Geschmack von
Freiheit und Abenteuer in den Augen Dritter
etwas lächerlich. Arndt hat damit kein
Problem: "Meine Frau unterstützt mich sehr."
Der Krankenpfleger hat sich vorgenommen,
in den Rauchpausen im Krankenhaus statt
drei bis vier nur noch zwei bis drei Zigaretten
zu rauchen. Und allen Freunden hat er seine
guten Absichten mitgeteilt: "Ich setze
mich da bewusst dem Druck aus."

Linda handelt ebenso. Im Gespräch mit
einem anderen Raucher hat sie erfahren,
dass er sich täglich nur noch einmal zu
festgelegter Uhrzeit eine Zigarette gönnt
- und dann 24 Stunden lang den nächsten
Glimmstängel herbeisehnt. Das wäre für
sie keine Lösung.
Linda kommt mit dem kleinen Registrierblock
nicht zurecht und hat ihn durch einen größeren
Zettel ersetzt, der auf ihrer Schachtel
klebt. Die Zähl-Arbeit bleibt gleich -
bis 11.30 Uhr prangten auf ihrem Zettel
fünf Kreuze. "Schwein gehabt" hat sie gedacht,
als der Psychologe nicht von Stund' an
Verzicht verlangte: Gnadenfrist für die
Sucht nach dem blauen Dunst.

Gedankenlose Qualmerei ohne Genuss: Linda
hat sich dabei ertappt, dass sie sich eine
Zigarette ansteckte, obwohl eine andere
bereits brannte. "Das hast du doch eigentlich
nicht nötig", hat sie entnervt gedacht
und sich entschieden: "Ich nehme die Herausforderung
an." mls


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