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Zwei "Möchtegern-Nichtraucher" wollen es jetzt endlich wissen

09.07.2005 / LOKALAUSGABE / BOTTROP

Zwei "Möchtegern-Nichtraucher"
wollen es jetzt endlich wissen

Verhaltenstherapeutisches Training soll
den Verzicht auf Nikotin erleichtern


Es war einmal. Aber Diplom-Psychologe Thomas
Dopatka spürt heute noch den Suchtdruck,
vermisst manchmal das "lustvolle Gefühl
des Inhalierens". Er kann nachfühlen, was
Nikotinsüchtige empfinden, die sich auf
sein "Rauchfrei Training" einlassen - mit
gemischten Gefühlen.

Arndt S. und Linda M. spielen nicht mehr
mit dem Gedanken ans Aufhören, sie wollen
es jetzt wissen. Die Startpositionen sind
unterschiedlich: Die 49-jährige Angestellte
erntet einen entrüsteten Blick, als sie
bekennt, dass sie immer noch gern raucht.
Der 26-jährige Krankenpfleger hadert mit
sich selbst, weil er weiß, dass es "Schwachsinn"
ist, aber er kann nicht widerstehen: "Wenn
ich sehe, jemand steckt sich eine Zigarette
an, macht es Klick im Kopf" - und schwupps,
greift er selbst zur Schachtel. Wider besseres
Wissen, wie natürlich jeder Raucher. Linda
M. setzt nicht nur der Hausarzt zu - die
Kurzatmigkeit, die Haut, die Gesundheit
überhaupt - sie kann auch gut rechnen.
Im Durchschnitt eine Schachtel täglich,
angefangen mit 17 Jahren: "Ich hätte schon
längst bauen können", stellt sie fest.
Trainer Dopatka bestätigt beim Informationsabend
für den zehnwöchigen Kurs : "Das sind 1500
Euro pro Jahr. Drei Wochen Urlaub auf La
Gomera." Was ein Raucher dort ohne Zigaretten
anfangen soll, sagt er nicht. Vielleicht
hat sich der Einwand ja in einem Monat
erübrigt.

Sein Training basiert auf verhaltentherapeutischen
Methoden, der Aufbau von Selbstkontrolle
ist ein zentraler Begriff. Die Hälfte aller
Zigaretten wird gedankenlos weggequalmt,
behauptet Dopatka, und die beiden "Möchtegern-Nichtraucher"
nicken. Linda M. gesteht unumwunden, dass
sie eine "absolute Stressraucherin" ist.
Am Anfang der Kontrolle steht die Selbstbeobachtung.
Der Griff zur Zigarette wird protokolliert:
Wann, warum, wie oft. "Dieser Kurs ist
ein bisschen was für Erbsenzähler", räumt
Dopatka ein. Der bürokratische Aufwand
ist erwünscht, denn er verwandelt den automatischen
Griff zum Glimmstängel in einen bewussten
Akt, der innere Ablehnung provozieren soll.
Nach dieser Beobachtungsphase legt jeder
Teilnehmer Reduzierungsschritte fest: Eine
Zigarette weniger pro Tag, vier weniger
in der Woche . . . und nach sechs Wochen
sollte er dann geschrieben sein, der "Brief
an die letzte Zigarette": Eine Vorstellung,
die einem Nichtraucher kaum zu vermitteln
ist.

Dopatka bietet Unterstützung an. Wett-Kärtchen
und Belohnungen als Ansporn zur Verhaltensänderung,
Entspannungsübungen. Wer nicht raucht,
gewinnt. Aber was? Die Vorteile des Nichtrauchens
müssen schwer wiegen und sehr konkret sein.
Arndt S. und Linda M. kommen ans Nachdenken.
"Der Alltag ist ein Energiefresser", erklärt
Dopatka. "Wir brauchen einen Ausgleich."
Einen besseren als Zigaretten, so seine
Botschaft.
Die WAZ wird die angehenden Nichtraucher
in den nächsten Wochen begleiten. Wer sich
dem Kurs anschließen will, meldet sich
bei Thomas Dopatka ( 775016).



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